Leere Innenstädte : Innerstädtischer Einzelhandel vor dem Aus

Verschiedene Entwicklungen setzen dem innerstädtischen Einzelhandel bereits seit Jahren zu: Einkaufszentren an den Stadträndern und die Verschiebung hin zum Onlinehandel.
Dieser Onlinehandel erfährt durch die gesetzten Maßnahmen zur Corona-Pandemie einen enormen Aufschwung. Lokale Geschäfte, vor allem jene, die keinen Handelsketten angehören, werden hingegen durch die Maßnahmen schwer beeinträchtigt. Selbst Gastrounternehmen mussten entweder mit Lieferdiensten zusammenarbeiten oder zusperren. Die Auswirkungen auf die Innenstädte sind absehbar: Es wird zu enormen Leerständen in den Innenstädten kommen. Daher beschäftigen sich mittlerweile Forschende mit der Begleitung dieser Entwicklung.

Wir erinnern uns vielleicht an Shopping-Tage, an denen wir je nach Geschmack durch Boutiquen oder Buchläden schlenderten, die ins Auge gefasste Ware ausgiebig in Händen hielten, die Kleidung anprobierten oder uns in die Leseecke einer Buchhandlung zurückzogen und uns im Gespräch mit kompetentem Verkaufspersonal letztlich für das eine oder das andere Stück entschieden. Zwischen den Einkäufen traf man sich mit Freunden zum Kaffee oder auch zum gemeinsamen Essen.
Gemütliche Abende begannen oft beim Lieblings-Italiener, führten danach zu einem Kulturangebot und danach zu einer „Nachbesprechung“ in Bars und Pubs. Studierende nutzen das Angebot der Gastronomie nicht nur zur Nahrungsaufnahme, sondern auch zum Austausch mit anderen über Prüfungen und Lehrstoff.

Die (Innen-)Städte, so wie wir sie bisher kannten, erfüllten also mehrere Funktionen, etwa Handel, Gastronomie, Kultur und Begegnung. Über Nachfrage und Angebot stellte sich eine Verteilung der Funktionen ein. Heute sind Gasthäuser, Cafés, Pubs und Kulturstätten geschlossen. Die Funktionen der Innenstädte wurden massiv eingeschränkt und es ist nicht zu erwarten, dass die sich in gleicher Art „nach Corona“ wieder zurückbilden werden. Zu viele Einzelhändler, Gastrobetriebe und Kulturstätten werden die Pandemiemaßnahmen nicht überlebt haben.

Das deutsche Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) fördert im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik 13 Pilotprojekte zur „Post-Corona-Stadt“. Die zuständige Staatsekretärin, Anne Katrin Bohle, spricht in dem Zusammenhang davon, „Strategien zur Bewältigung der Corona-Auswirkungen zu erarbeiten und die Chancen für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu nutzen, die aus den vielfältigen Routinebrüchen infolge der Pandemie entstehen“. (1)

Was die Staatssekretärin in schönen Worten ausdrückt, bedeutet nichts anderes, als dass die Pandemie bzw. die Maßnahmenfolgen unsere Innenstädte ändern werden. Der Handelsverband Nordrhein-Westfalen nennt deutlichere Worte: „Corona stürzt Innenstädte in Krise – Mutige und kreative Umgestaltung gefragt“ titelt ein Beitrag auf deren Webseite und warnt vor Leerstand und Funktionsverlust durch eine „nie dagewesene Krise“. (2) Manche Funktionen, wie der Einzelhandel, werden wohl verloren gehen und endgültig dem Onlinehandel weichen. Andere Funktionen werden bleiben, sich die Innenstädte aber anders aufteilen.

Bereits im Dezember letzten Jahres fand eine digitale Fachkonferenz zur nationalen Stadtentwicklungspolitik statt. Forscherinnen und Forscher tauschten sich über die „Neue Leipzig- Charta“ – eine von den zuständigen Ministerien verabschiedete Charta zur nachhaltigen Stadtentwicklung. (3) Beiträge aus der Konferenz befassten sich etwa mit den „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Handel und Stadt“, „Diskussion: Die Post-Corona-Stadt – lokaler und gemeinwohlorientiert?“ und „Forum: Stadtentwicklung in der Post-Corona Stadt“.

Während viele Menschen noch die Rückkehr zur Normalität ersehnen, arbeiten Universitäten und sonstige Forschungseinrichtungen bereits auf Hochtouren, um jene immensen zu erwartenden Lücken in den Innenstädten zu füllen, die sich durch die maßnahmenbedingten Pleiten und die plötzlich stark vorangetriebene Umstrukturierung der Innenstädte ergeben werden. Man fragt sich, warum, die Diskussion um die Zukunft unserer gemeinsamen öffentlichen Plätze nicht im Dialog mit der Bevölkerung gestaltet wird, der diese sprunghafte Entwicklung wohl zum Großteil noch nicht einmal bewusst sein dürfte.

https://www.handelsverband-nrw.de/2020/09/09/corona-stuerzt-innenstaedte-in-krise-mutige-und-kreative-umgestaltung-gefragt/

https://www.nationale-stadtentwicklungspolitik.de/NSPWeb/SharedDocs/Blogeintraege/DE/post-corona-stadt_pilotprojekte.html

https://www.bmi.bund.de/DE/themen/bauen-wohnen/stadt-wohnen/stadtentwicklung/neue-leipzig-charta/neue-leipzig-charta-node.html

Über den Autor

Rechtsanwälte für Grundrechte

Wir haben uns als unabhängige, keiner politischen Partei oder Bewegung angehörige Rechtsanwälte/innen aus Anlass der infolge COVID-19 seit März 2020 gesetzten staatlichen Maßnahmen zum Schutz von Freiheit und Demokratie, des Rechtsstaates und seiner rechtsschutzsuchenden Bevölkerung vernetzt und auf dieser Plattform zusammengeschlossen.

1 Kommentare

  1. jagoda

    Regierung und Medien verharmlosen diese Tatsache.Gehen sie durch die Stadt und schätzen sie ab,wie der Umsatz wohl ist.
    Danke
    Warum tritt die Oppostion nicht geschlossen auf,warum verstecken sich Kammern umd Gewerkschaft?

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